Ein großes Schlagwort ist die Entschleunigung des Alltags geworden. Trift dies auf jeden zu? Vielleicht denken Sie ja auch „Gut bei mir gibt es nicht viel zum Entschleunigen, die Arbeit ist Stress und hektisch aber sonst privat hab ich keinen Stress – da ist alles ok.“ Vielleicht ist dem auch so, dann genießen und leben Sie!

Es gibt jedoch so viele Menschen, die es gar nicht bemerken, wieviel Hektik, Stress und damit Anspannung in ihnen stecken. Den reinen Arbeitsstress blende ich hier in dieser Betrachtung einmal aus, dies soll sich jetzt nur einmal um unser Handeln und Denken (Selbstmanagement) widmen.
Nehmen Sie sich Zeit, lesen Sie und seien Sie ehrlich zu sich selbst! Wir lassen uns treiben und beeinflussen von so vielen Dingen, schauen Sie doch einmal in Ihren Alltag. Bestimmt finden Sie auch da den einen oder anderen Punkt, dem Sie zustimmen müssten. Jeder hat es für sich selbst in der Hand, achtsamer und bewusster mit sich selbst zu sein…

Haben Sie ausreichend Schlaf, dass Sie noch vor Ihrem Wecker wach werden? Ist Ihre tägliche Morgengestaltung so ausgerichtet, dass die Zeit gerade noch so reicht für einen schnellen Kaffee oder sitzen Sie in entspannter Ruhe am Tisch und genießen Sie Ihr Frühstück?

Für viele Menschen reicht es heute nicht mehr dazu und achten Sie einmal auf die die Menschen denen Sie am Morgen auf Ihrem Arbeitsweg begegnen. Die Hektik in ihnen, den Coffee & Food to go in der Hand rennen sie von einer U-Bahn zur anderen. Gerade noch rechtzeitig oder auch nicht, erreichen sie ihre Verbindung und dann zur Belohnung einen Schluck Kaffee aus dem Pappbecher (vom Müll ganz zu schweigen).

Im Büro dann später, wieviel Zeit haben Sie wirklich oder nehmen Sie sich wirklich für Ihre Frühstückspause, wenn Sie diese nicht daheim hatten?

Wenn Sie eine Pause genießen können, wieviel Frischkost oder Selbstgemachtes essen Sie dabei oder tut es etwas Gekauftes vom Brotzeitstand?

Sind Sie ein Mensch der seine tägliche Ration Flüssigkeit am Tag schafft oder vergessen Sie dies ständig und müssen, zum Leidwesen Ihrer Blase und des erholsamen Schlafes, abends alles nachholen?

Überlegen Sie einmal, falls Sie Raucher sind, wieviel Pausen Sie für die Zigarette zwischendurch einplanen. Dafür reicht die Zeit und Ihre Aufmerksamkeit, aber viele Menschen denken nicht an das Glas Wasser welches vor Ihnen steht.

Man konditioniert sich ganz erfolgreich unbewusst selber oder haben Sie noch nie gesagt: „Komm, dass machen wir jetzt schnell.“ Sie meinen, dass ist nur eine Redensart? Falsch gedacht, das ist die perfekte Selbstkonditionierung in Sachen Geschwindigkeit, Hast, Eile und dem folgend auch an Oberflächlichkeit.

Ähnliche Beispiele:
Ich mach mal kurz…
Warte, sofort…
Gleich…
Kannst du mir mal schnell….

Alles wunderbare hausgemachte Zeit-Stress Konditionierungen!

Schauen Sie doch mal einfach zu den haus-alltäglichen Pichten. Mal eben kurz den Geschirrspüler ausräumen. Schon ist Ihr Inneres auf Hast, Eile und Hektik ausgerichtet. Wie schnell geht da auch mal eine Tasse entzwei.

Wissen Sie hinterher noch, was Sie alles so ausgeräumt haben? Egal, spielt ja keine Rolle, ist doch nur der Geschirrspüler, meinen Sie? Nein, es ist wirklich nicht egal.

Denn es steht hier symbolisch für die so vielen Beispiele im Leben, wenn wir etwas tun in Eile und Schnelligkeit, dann wird dieses Tun oberflächlich und unbewusst. Routiniert erledigen wir die Aufgaben, aber in Routine liegt die Gefahr der Unaufmerksamkeit und damit des Fehlers, gepaart mit der Geschwindigkeit in der wir die Arbeit erledigen.

In dieser alltäglichen Routine spürt man den leichten Anstieg des inneren Stress-Levels gar nicht. Hier gäbe es so viele kleine Beispiele die erwähnenswert und lebensnah sind, scheinbar klein und unbedeutend, dennoch kann man hierbei aber sehr deutlich erkennen, wie der Mensch bereits in diesen kleinen Dingen sich selbst programmieren kann und damit das eigene Stress-Level dauernd hochfährt und unter Druck hält – da ja noch soviel zu erledigen ist.

Es ist auch hier die Summe der vielen Kleinigkeiten die unser inneres Fass zum Überlaufen bringt. Sie spüren dies dann am Abend an Sie übermannender Müdigkeit, Ein- und Durchschlafstörungen, Herzrasen (erst leichte und später deutlichere), der Blutdruck steigt schneller an und bleibt auch teilweise im höheren Bereich, Essen werden nicht mehr so gut verstoffwechselt – Ihr Körper ist ja noch nicht so aufnahmebereit, da er sich um eine Stress-Verdauung kümmern muss…und und und, die Liste kann man sehr weit ausführen.

So ist es mit dem Alltag wie auch mit der so wertvollen Freizeit. Doch dies ist die Zeit, wo wir uns und unser Leben bestimmen können, uns erholen und neue Kraft schöpfen können.

Betrachten wir diesen Punkt einmal genauer, muss man feststellen, dass unsere Freizeit förmlich geprägt ist von Konsumpflicht und Hektik. Dauernd (ob durch Werbung, falsches Zeit- und Selbstmanagement) gibt uns die Welt das Gefühl, etwas zu verpassen. Dies Bewusstsein führte bei mir dazu, dass ich schon seit Jahren keine Uhr mehr trage. Fällt überhaupt nicht auf, viele Menschen tragen keine Uhren mehr und da war ich doch früher so vernarrt in meine Uhren.

Aber achten Sie einmal darauf, überall wird Ihnen Zeit präsentiert und wenn es nur durch Ihr Handy ist. Meine Feststellung seit der Uhrlosigkeit, ich verlasse mich vielmehr auf mein inneres Zeitgefühl ohne den Stress dauernd schauen zu müssen ob ich noch pünktlich bin.

Achten Sie einmal auf die tief in Ihnen entstehenden Reaktionen beim Erleben von Werbung im Radio oder TV. Ich finde, es gibt kaum etwas wirkungsvolleres was einen in Sekundenschnelle aus dem Gleichgewicht bringen kann. Eben in Ruhe und Werbung an, schon Hektik… Man spürt besonders, wie es hier um Zeit und Geld geht und das auf Kosten Ihrer Nerven, Gesundheit und Ihres Ruheempfindens. Alles spricht hier schneller, viel schnellere Bildabfolgen und im Radio noch deutlichere Hektik bei Sonderpreiswerbungen die gleich 3x hintereinander wiederholt werden. – Die Psychologie des Marketings!

ABER: Man hat die Wahl, Fremdberieselung oder aber die Off-Taste.

So gibt es natürlich noch viele weitere Konditionierungen für die Käufer, achten Sie doch mal beim Einkaufen auf Sterne, Rot-Markierungen, Sale-Schilder usw. Wie ist beim Erblicken dieser Marker Ihr erster innerer Mechanismus? Ehrlich!!! Jeder wird schneller, der Schritt wird schneller bis hin ja sogar zur Atmung.

Natürlich ist dies bei jedem unterschiedlich ausgeprägt, aber tief im Reaktionssystem messbar. Wehe dem, Sie sehen einen langersehnten Artikel entsprechend gemarkert und ein anderer Kunde ist gerade im Begriff diesen nehmen zu wollen…Ihr inneres System läuft auf Hochtouren, schnell hin, Hast bis hin zu Aggression kann aufkommen!

Selbst daheim die gut gemeinten Hilfsmittel, wie das Piepen der Waschmaschine wenn sie fertig ist, sind über diesen Weg in der Lage, auch wenn nur kurzfristig, Ihren Stresspegel höher laufen zu lassen.